Axtal schafft ein Kristalltal in der Ideenwerkstatt
Seit März bewohnt die Firma Axtal die Ideenwerkstatt - OB Lauth besuchte Firmengründer Bernd Neubig
und war schwer beeindruckt
von Peter Lahr (Rhein-Neckar-Zeitung, Ausgabe Mosbach, 20. Okt. 2004)
Zusammen mit Wirtschaftsförderer Alfred Schumacher besuchte Mosbachs OB Gerhard Lauth am Dienstagvormittag
den jüngsten Mieter der Ideenwerkstatt: Bernd Neubig und Ehefrau Brigitte, beide Besitzer der Firma Axtal,
die seit März dieses Jahres auf 120 Quadratmetern fortschrittliche Produkte auf der Grundlage von Schwingquarzen und
anderen Kristallen produziert. Auch als einschlägiger Berater ist der Nachrichtentechniker und Diplom-Physiker tätig –
unter anderem für große Automobilkonzerne im Ländle.
Wenn auch für Laien auf Anhieb nur schwer verständlich ist, um was es sich da eigentlich genau handelt,
führte Bernd Neubig die Anwesenden Schritt für Schritt in seine Produkt- und Dienstleistungspalette ein.
Schnell wurde bei dem Gespräch deutlich, dass Schwingquarze und Oszillatoren nicht nur in keinem modernen Automobil fehlen,
sondern auch bei Handys, in Tonstudios und bei Tiefbohrungen gleichermaßen im Einsatz sind.
Bevor Bernd Neubig heuer den Schritt in die Selbstständigkeit wagte, arbeitete er 28 Jahre im deutschen „Crystal Valley“
in Neckarbischofsheim auf dem Gebiet Schwingquarze und elektronische Baugruppen zur Frequenzstabilisierung.
Zunächst als Entwicklungsingenieur für Quarze bei der Firma Kristallverarbeitung (KVG);
nach sieben Jahren wechselte er zur Firma Tele Quarz, wo er bis zur Übernahme durch den US-amerikanischen Konzern
Corning „geistiger Vater“, Gründer und Leiter des Unternehmensbereichs Oszillatoren und Filter war -
einschließlich Fertigung, Entwicklung und Engeneering.
„Ganz bescheiden weltweit bekannt“ ist Bernd Neubig dank seiner wissenschaftlichen und technischen Veröffentlichungen.
Der Koautor des „Großen Quarzkochbuchs“ sitzt in diversen wissenschaftlichen Komiteen, u.a. bei der Internationalen
Elektrotechnischen Kommission (IEC). Diese zeichnete ihn dieses Jahr für seine aktive Mitarbeit mit dem IEC 1906 Award aus.
Schwingquarze sind elektrische Bauelemente, die als Schlüsselelement in der gesamten Elektronik zum Einsatz kommen,
wo stabile Frequenzen und Taktsignale benötigt werden. In Handys und Basistationen, beim Sprech- und Datenfunk sowie
in jedem Mikroprozessor und Computer also. „In einem PKW moderner Bauart sind bis zu 100 Mikroprozessoren enthalten,
bis hin zur Sitzheizung“ erläutert Neubig. „Und jeder Mikroprozessor wird von einem Quarz gesteuert.“
Neben den herkömmlichen Schwingquarzen richtet der Firmengründer sein Augenmerk auch auf neue, künstlich „gezüchtete“
Kristallmaterialien, wie das in Moskau bei der Firma „Fomos“ gewonnene „Langasit“. Neubig will diese zwar teureren,
aber besonders temperaturunempfindlichen Materialien erstmals weltweit industriell anwenden.
Den Firmennamen „Axtal“ leitete Bernd Neubig von der englischen Kurzschreibweise „xtal“ für „crystal“ ab,
das „A“ stünde für „Advanced“. Da es weltweit mehrere hundert Hersteller für Schwingquarze und Quarzoszillatoren gibt,
konzentriert sich Axtal auf Spezialgebiete und Nischenprodukte. In der Ideenwerkstatt entwickelt und fertigt Neubig
zusammen mit drei weiteren Mitarbeitern - darunter einem BA-Studenten - elektronische Baugruppen mit Schwingquarzen und
den neuen Materialien. Sein Dienstleistungsangebot reicht vom Testen der Schwingquarze und Oszillatoren bis zur
„Notfallberatung bei Applikationsproblemen“.
Im November wird Axtal in München auf der weltgrößten Elektronikmesse „Electronica“ vertreten sein.
Ansonsten bildet die Internetseite (www.axtal.com) die wichtigste Anlaufstelle für den internationalen Kundenkreis,
u. a. aus Frankreich, China, Pakistan, und Indien.
„Beachtlich, was bisher geleistet wird, machen Sie weiter so“ zeigte sich OB Gerhard Lauth tief beeindruckt von der
Präsentation sowie vom Rundgang durch die Räumlichkeiten. Dem Firmengründer gegenüber bekundete das Stadtoberhaupt
einen „Riesenrespekt“ dafür, dass er den Sprung in die Selbstsändigkeit wage - in Zeiten, in denen andere nur jammerten.
Wirtschaftsförderer Alfred Schumacher verwies darauf, dass derzeit fünf Jungunternehmer und Existenzgründer das städtische
Angebot der „Ideenwerkstatt“ nutzten.
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